17. Juni
Die Vorbereitungssitzung des Vorstands
„Nein, das kann ich nicht zulassen! Ich habe in meiner Zeit als Präsident immer bewusst darauf geachtet, dass die in den Statuten festgehaltenen Werte unseres Vereins eingehalten werden und nicht von ungestümen Mitgliedern, wie Sie es sind, Herr Magma, abgeändert werden können. Das hat mich in der CJB nicht beliebt gemacht, das weiss ich. Doch in meiner Rolle als Präsident habe ich die Aufgabe, den Verein so zu führen, wie es mir vorgeschrieben ist und nicht dem trendigen Gesindel ein paar Änderungen zuzugestehen. Es war mir schon genug schwer gefallen, Sie vor fünf Jahren zum Vizepräsidenten zu ernennen. Es kommt für mich deshalb nicht in Frage, Sie nun auch noch an die Spitze zu befördern. Das können Sie sich an den Hut stecken!“
Peter Imberg ist kaum noch zu beruhigen. Dabei will Franz Magma doch gar nicht Präsident werden. Doch da Peter Imberg nun seinen Rücktritt bekannt gegeben hat, konnte er sich in der Hoffnung auf änderungen nicht komplett zurückhalten: er hat sich nur eine kleine Bemerkung bezüglich eines Paragraphen der Vereinssatuten erlaubt, in dem festgehalten wird, dass sich die Vereinsmitglieder bei Vereinstätigkeiten gegenseitig zu siezen haben. Seit sechzehn Jahren, also seit Beginn der chthonisch juvenalischen Bagasse, steht dieser Paragraph in den Statuten. Franz Magma fand ihn damals wie alle anderen Gründer der CJB auch lustig. Doch seit einigen Jahren hat er das Gefühl, für Peter Imberg sei der Paragraph unterdessen zu einem ernsten, für den Verein existentiell wichtigen Umgangspunkt geworden. Irgendwie muss es Peter Imberg entgangen sein, dass sich in der chthonisch juvenalischen Bagasse seit zehn Jahren niemand mehr siezte, ausser in Anwesenheit des Präsidenten. Genau auf diesen Punkt hat Franz Magma hingewiesen. Leider wird dies vom Präsidenten als komplett fehlerhafter Machtanspruch missverstanden, wie so Vieles in den letzten Jahren. Doch Franz Magma regt sich nicht auf, er nimmt einen Schluck süsses Torfwasser und schweigt.
„Jetzt ärgern Sie sich doch nicht so!“, meint Rahel Lockererde zu Peter Imberg, „Vielleicht ist es besser, wenn wir heute wie immer nicht über Vereinsmodifikationen sprechen. Kommen wir besser nochmals auf Ihren Rücktritt zu zurück, den Sie vor wenigen Minuten bekannt gegeben haben. Wenn Sie, wie Sie vorhin gesagt haben, an der GV sofort zurücktreten, wie soll dann die Nachfolge geregelt werden?“
„Darüber, meine liebe Frau Lockererde, habe ich lange nachgedacht. Nach reifer überlegung habe ich eine Lösung gefunden, die für die Zukunft unseres stolzen Vereins die beste sein muss. Ich bin mir sicher, dass Konrad Unterboden als mein Nachfolger hervorragende Arbeit leisten wird. doch bis zur gv bleibt all dies unter uns.“
Unter den diversen anwesenden Vorstandsmitglieder werden Blicke ausgetauscht, die fast alle nur das Selbe sagen: Ich hab’s doch befürchtet! Konrad Unterboden selber blickt mit leuchtenden Augen auf und kann ein erfreutes Lächeln nicht verstecken. Es ist schon seit langem aufgefallen, dass er der Liebling des Präsidenten ist. Nur deshalb ist Konrad Unterboden auch im Vorstand vertreten, weil er auf Empfehlung von Peter Imberg vor zwölf Jahren an der GV in den Vorstand gewählt wurde.
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