Langsam drang die Feuchtigkeit durch seine Kleider. Sein Atem ging schnell. Wie lange lag er schon in der Wiese? Es konnten keine drei Minuten sein, seine Verfolger waren noch nicht beim hellen Licht angekommen.
Um ihn herum war es dunkel, einzig das Licht brannte in rund hundert Meter Entfernung. Der Mond leuchtete heute nur schwach. Hinter ihm erhob sich ein kleiner, bewaldeter Hügel aus der Landschaft. Vor ihm erstreckte sich weit ausgebreitet eine grosse, flache Wiese. Daneben verlief ein kleiner Weg, der zu einem dünnen Waldstreifen führte. Hinter diesen Bäumen lag der See. Noch war es ruhig, doch er wusste, er musste nur warten.
Der Waldstreifen, das war der Ort, woher er angerannt kam. Dort stand er noch vor wenigen Minuten zwischen den Bäumen. Er blickte zu der Gruppe, welche gemütlich rund um das Feuer sass. Er beobachtete sie. Für kurze Zeit blieb er in sicherer Entfernung von den Leuten stehen, für sie war er nicht zu sehen. Dann nahm er die Fackel hervor und entzündete sie. Sofort erhellte ein weisser heller Schein den Wald. Das Licht von brennendem Magnesium blendete ihn, aber er liess sich dadurch nicht verwirren. Er wartete noch einen kurzen Moment, bis er sich sicher war, dass die Fackel von der Gruppe erblickt wurde. Danach drehte er sich um und rannte los. Einige hundert Meter lang spurtete er auf dem Weg, aus dem Waldstreifen hinaus, der Wiese entlang bis zum Brunnen. Dort warf er die Fackel an den Wegrand und bog vom Weg in die Wiese ab. Mit grossen Schritten schritt er über die Gräser. Er wusste, dass er jetzt nicht mehr weit rennen durfte; auf offenem Feld würden ihn die Leute selbst im schwachen Mondlicht sofort sehen. Also warf er sich plötzlich ins feuchte Gras, blieb keuchend liegen und wartete.
Die Feuchtigkeit und der Schweiss gaben ihm ein unangenehmes Gefühl. Doch er durfte jetzt nicht aufstehen, die anderen konnten jeden Moment bei der Fackel ankommen. Da! Sie waren schon zu hören. Sie kamen aus dem Waldstreifen angerannt und folgten dem Weg zum brennenden Licht. Offensichtlich lief alles nach Plan. Bereits erreichten die ersten die Fackel und hoben sie auf. Nun kamen auch schon die anderen hinzu. Es war eine Gruppe von etwa 25 Leuten. Alle standen sie da uns starrten in das Licht oder in die Landschaft. Sie versuchten jemanden zu entdecken. Doch das brennende Magnesium blendete die Leute zu stark, um eine Person auf dem Weg oder auf der Wiese zu sehen. Sie begannen miteinander zu sprechen. Verstehen konnte er sie nicht, sie waren zu weit weg. Aber es war klar, dass sie berateten, was sie nun tun sollten. Sie waren der Fackel bis hierhin gefolgt, ohne eine Ahnung zu haben, was eigentlich los war. Genau das wollten sie nun herausfinden. Es lief weiter alles nach Plan. Trotz der unbequemen Lage hier in der Wiese huschte ein erleichtertes Schmunzeln über sein Gesicht. Er musste nur liegen bleiben und warten.
In diesem Moment entzündete sich auf der anderen Seite des Weges, rund dreihundert Meter von der Gruppe entfernt, eine weitere helle Magnesiumfackel. Die erstaunten Leute reagierten sofort und starrten ins neue Licht. Er wusste, dass seine Arbeit damit beendet war. Die Gruppe blickte weiter zu der neuen Fackel, als sie plötzlich merkten, dass das Licht sich langsam in Richtung ihres Nachtlagers bewegte. Panik ergriff sie. Schreiend rannten sie zurück zu ihren Sachen, offensichtlich mit schlimmen Befürchtungen. Er wusste, dass sie mit ihren Befürchtungen richtig lagen, aber das war ihm egal. Endlich konnte er sich wieder aus dem Gras erheben. Nun würde ihn niemand mehr entdecken. Als er wieder auf seinen Beinen stand, lief er zurück zum Weg. Er spürte beim Gehen die feuchten Kleider, doch nun störte ihn das kaum mehr. Auf dem Weg blieb er stehen, schaute sich kurz um und wartete.
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