20. februar 2006
zu hoch hinaus

Sein Blick schweift über die grünen Täler, über die markanten Bergspitzen und über die kleinen weissen Wolkenfetzen. Er erblickt herrliche Landschaften, aber auch zerstörte Gebiete. Unter ihm ist viel Luft, erst weit entfernt liegt der Boden. Über ihm erstreckt sich der blaue Himmel. Und um ihn herum weht ein heisser Wind. Georg ist nach oben gestiegen, weit hinauf, höher als alle Berge. Georg hat sich an der Luft festgeklammert und kletterte daran in die Höhe, bis alles unter ihm lag: die Felsen, die Wiesen, die Menschen, die Wälder, die Seen, die Strassen und die Vögel. Selbst die Flugzeuge sieht er unter sich durchfliegen, als ob sie bloss kleine weisse Punkte in der Luft seien. Wenige können an der Luft so hoch klettern wie er, nur Wenigen wird es wieder gelingen. Niemand kann es verantworten, auch Georg nicht.

Der blaue Himmel über ihm ist makellos. Die Erde unter ihm ist schön und schützenswert. Die Atmosphäre um ihn ist erdrückend heiss. Doch eines merkt Georg erst jetzt: Georg ist der Sonnenstrahlung ohne Schutz ausgesetzt. Es hat keine Ozonschicht mehr über ihm, die ihn vor den Gefahren bewahren könnte. Die schützenden Hüllen der Luft liegen unter ihm. Daran hat Georg nicht gedacht, als er sich an der Luft festklammerte und nach oben stieg. Er wollte nur nach oben, auch wenn es ein sinnloses Unternehmen war. Das war das Einzige, das er im Kopf hatte. Nun hat er es geschafft. Mehr nicht.

 
 
^ top