Der Mondsee sieht sich gezwungen, auf die Fortschrittlichkeit der Vereinigten Staaten von Amerika hinzuweisen. Schon lange ist der nordamerikanischen Bevölkerung bewusst, dass sich das globale Klima ändert. Klimaerwärmung ist in den USA kein Fremdbegriff. Im Vergleich zu anderen, naiven Staaten haben die Amerikaner auch bereits begriffen, dass sich der Klimawandel nicht mehr bremsen lässt. Die Amerikaner wissen, was sie erwartet, und sie bereiten sich bereits darauf vor.
USA-Reisende kennen mit Bestimmtheit eine der wichtigsten Infrastrukturen in öffentlichen Gebäuden, vielen privaten Häusern und in Autos: die Klimaanlage. Auch bei uns in Europa ist dieses technische Gerät bereits seit vielen Jahren in vielen Gebäuden und motorisierten Fahrzeugen eingebaut. Bei uns hat sich dabei die Meinung durchgesetzt, Klimaanlagen hätten den Zweck, die Umgebungstemperatur auf einem angenehmen Niveau zu halten. In den USA ist man von diesem Gedanken längst weggekommen. Für sie hat die Klimaanlage einen anderen Sinn erhalten. So soll zum Beispiel eine Klimaanlage in einer kleinen Poststelle während eines unerträglich heissen Sommertages nicht für wohltuend kühle Luft sorgen. Nein, die Klimaanlage ist dazu da, die Luft im Gebäude so kalt zu machen, dass die Menschen nicht mehr wissen, ob die Hitze draussen nicht fast angenehmer ist. An heissen Tagn sollen die Klimaanlagen die Innentemperaturen auf ein derart tiefes Niveau bringen, dass es den Menschen unangenehm wird. Das ist der heutige Standard in den USA.
Wer nun denkt, er oder sie habe den Zweck dieses – für viele Europäer – übertriebenen Einsatzes von Klimaanlagen erkannt, der oder die möge sich noch nicht zu sicher sein! Das Ziel der mit Hochdruck laufenden Geräten ist nicht, die Leute nach draussen an die Hitze zu verbannen, damit sie sich dort an die Klimaerwärmung gewöhnen. Eine solche Schikane würden sich die Amerikaner nicht zumuten. Nein, das Ziel ist ein anderes. Durch die konsequente Unterkühlung der Luft in Innenräumen wird erreicht, dass die US-Amerikaner auf ihrem Weg vom Haus zum Auto und vom Auto zum Haus sich immer besser an starke Temperaturschwankungen gewöhnen. Diese Temperaturschocks sollen das amerikanische Volk resistent machen: resistent gegen zukünftige Klimawandel. Während wir Europäer also noch immer versuchen, mit technischen Geräten unser Umgebungsklima so angenehm wie möglich zu halten sind die Menschen in den USA bereits einen Schritt weiter: sie trimmen sich mit diesen Geräten fit für die laufenden Klimawandel aller Art. Ein Schmunzeln über die naiven Europäer, welche noch an eine Wirkung des Umweltschutzes glauben, können sie sich wahrscheinlich nicht verkneifen. Die US-Bürger wissen, dass dank diesem Temperaturschocktraining auch ihre Nachkommen genügend stark sein werden. Genügend stark, um überall auf der Welt Ferien machen zu können. Vielleicht interessiert sich dann auch mal jemand für Kyoto?
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